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    Radio Redstone

CD Review

Sober Truth – Laissez Faire, Lucifer!

today6. September 2021 96 1

Background
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Oh Schreck, was halte ich da in den Händen, ja klar ein neues Album, aber es ist von Sober Truth, die nüchterne Wahrheit… Wieder so ein dahingeschrabbeltes Metalalbum weil es grad dem aktuellen Hype entspricht? Mit nichten, denn schon das Intro klingt so gar nicht nach schrabbel Metal… Mystisch und knarrend wird eine Tür geöffnet und erlaub einen Blick in das innere, das finstere, das unergründliche eines jeden von uns…. Ein Blick in unsere Psyche – Laissez Faire, Lucifer! – Lass es sein, Lucifer! – das Ausrufezeichen macht unmissverständlich klar: hier handelt es sich nicht um eine Bitte, Es ist eine Aufforderung.

Ein solides Schlagwerk, gebettet in einem dicken und tiefen Fundament aus Bass umgarnt von Gitarren die dich ständig hin und herreißen, von verspielt-melodisch, fordernd, ja treibend dominant bis hin zu einer Eigenständigkeit im Song, vom Thema gelöst und doch mittendrin, auseinanderdriftend und doch wieder zusammenfindend. Garniert wird das Ganze mit schön arrangierten und stets passenden Soli die sich wie eine warme Decke um das akustische Gewitter legen und dir die Angst nehmen. Dabei kann man schon mal kurz in so einem Solo versickern bevor einem der DoubleBass wieder aus diesem wunderschönen Sumpf herauszieht…

Gleichwohl dynamisch geht es mit Dizygotic Twins weiter, die größte Überraschung sind hier die deutschen Lyrics, der Anfang zart, ja fast schüchtern, doch beim Einsetzen des Kesselwerks wird man unweigerlich in den Sitz gedrückt… In Fachkreisen nennt man das glaub ich „Brett“ Der muttersprachliche Gesang gibt dem Werk etwas – hm – anderes… ich mag es, es ist eben genau das, mal was anderes – Danke für den Mut
dazu.

Die Unvollkommenheit (Imperfection) erinnert an vieles… vermutlich auch deshalb unvollkommen, ein Hauch Rammstein, eine Priese Defecto, ein Löffel Cradle of Filth an einer Creme aus C.O.B. – kurz knackig, gewaltig und mächtig „angry“ Unvollkommen wirkt auch das folgende Zwischenintro (Entre les Chansons I), Ein Düsenjet, harte Schläge verschwimmen in einer Melodie, die sich langsam, aber gnadenlos in den Vordergrund schiebt. Das ganze stark übersteuert und angezerrt… gehört es nun zu Imperfection oder schon zu D N A – Titel #6 auf Laissez Faire, Lucifer! Fast eine geradeaus Rocknummer, aber eben nur fast, erst bei genauerem Hinhören entdeckt man die Windungen und Schnörkel, wie ein DNA-Klumpen dessen Schönheit sich erst unter dem Mikroskop erschließt, oder wenn er sich vermehren kann und etwas Neues daraus entsteht. Doch die Message ist auch hier eine andere… Nur der Spiegel über dem Waschbecken sagt dir wie toll du wirklich bist…

Was schon so ein bisschen nach Gehirnwäsche klingt findet bei Planted Brains seine unweigerliche Bestätigung. Komplett umgepflügt, und neu eingesät, geprägt von unübertroffenem Selbstbewusstsein in seiner Blase, unnahbar, unantastbar und doch völlig allein… Was ein wunderschönes offenes Ending, das sich praktisch in sich selbst auflöst, unterstreicht…

Doch aufgeben ist keine Option, auch aus der tiefsten Versenkung entsteht die Wiedergeburt – R E B I R T H –
Doch es wirkt düster, sehr düster… der Funken der Hoffnung ist da, aber er ist schwach…

Es bleibt Hoffnung, Freude doch auch der Tod… Hope, Enjoy & Death. Auch hier werden wir wieder hineingerissen in die Abgründe der psychischen Endlosigkeit. Hoffnung und Freude sucht man hier vergeblich, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ein brachialer Sturz in den Abgrund… die Landung wird hart…

Ein weiteres Zwischenintro (Entre les Chansons II) überrascht und macht auch Mut, verspielt züngeln sich Glöckchen in den Gehörgang… es klingt fast wie ein Erfolgserlebnis…

Doch wie könnte es anders sein nach so einer Landung. Wir finden uns im L I M B U S wieder, der Vorhölle. Diese Vorhölle kennt wohl jeder der schon mal in den untiefen seiner Psyche gewandelt ist, ob nun zufällig, wissentlich oder völlig unvorbereitet… Doch solange man liebt, kann man diesem Limbus immer wieder entfliehen…

Das Finale zeigt sich „Sober“ – sehr nüchtern – Ein schöner und melancholischer unplugged Track mit viel Liebe zum Detail, der das Gesamtkunstwerk weich abrundet und ausklingen lässt. Ja es hat einen finalen Charakter, ein würdiges Ende…
Doch hoffentlich nur für dieses Album. Dieses Album überrascht, ist an Vielseitigkeit nur schwer zu überbieten und erzählt zudem auch noch Geschichten, Geschichten am Rande des Limbus, getrieben von Hoffnung, Angst und Liebe…

Eine extravagante und laszive Darbietung die jede erdenkliche Würdigung verdient. Spielerisch reif, musikalisch anspruchsvoll und jeden Euro wert. Wo bekommt man heute noch so viel Hingabe geboten. Dieses Album macht definitiv schon Appetit auf das 7. Studioalbum von Sober Truth, vielleicht gibt es ja auch mal ein Livealbum… wer kann schon sagen was die Zeit bringt, aber eins ist gewiss. Sie verrinnt und das meist viel zu schnell…

sind:

von links nach rechts

Drums: Paul Bendler

Vocals, Guitar: Torsten Schramm (Stein)

Bass: Jules Rockwell

Leadguitar: Argon Vogelsberg

Written by: thomas001

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